Strategie27.06.2025

Wie eine defensive Veröffentlichung eine Patentanmeldung eines Wettbewerbers blockieren kann

Aktualisiert am 27.06.2025

6 Min. Lesezeit
Wie eine defensive Veröffentlichung eine Patentanmeldung eines Wettbewerbers blockieren kann

Defensive Veröffentlichungen sind nicht nur kosteneffizient, sie können ein starkes rechtliches Instrument sein, um Wettbewerber daran zu hindern, Ihre Idee zu patentieren. In der heutigen Innovationslandschaft, in der mehrere Unternehmen parallel an ähnlichen Lösungen arbeiten, kann Timing und Strategie der öffentlichen Offenbarung darüber entscheiden, ob Sie Freedom to Operate behalten oder in teure Rechtsstreitigkeiten geraten.

In diesem Artikel zeigen wir, wie eine sauber durchgeführte defensive Veröffentlichung als rechtliche Barriere im Kontext globaler Patentsysteme wirkt und wie sie Innovatorinnen und Innovatoren ermöglicht, vorne zu bleiben, ohne auf teure Patentanmeldungen angewiesen zu sein.

Warum defensive Veröffentlichungen in wettbewerbsintensiven Feldern entscheidend sind

In vielen technischen Industrien laufen Wettbewerber auf dasselbe Ziel zu. Häufig entwickeln zwei oder mehr Unternehmen unabhängig voneinander ähnliche Lösungen. Reicht eines dieser Unternehmen davon zuerst eine Patentanmeldung ein, kann es exklusive Rechte erhalten, selbst wenn andere die Idee früher hatten, aber nicht offengelegt haben.

Hier setzt die defensive Veröffentlichung an: Indem Sie Ihre Idee nachvollziehbar und zugänglich veröffentlichen, schaffen Sie Stand der Technik. Damit kann niemand Dritter mehr ein wirksames Patent auf dieselbe Erfindung erhalten, weil Ihre Offenbarung die Neuheit zerstört.

So funktioniert es: Rechtliche Wirkung einer defensiven Veröffentlichung

Weltweit gilt: Eine Erfindung muss neu und erfinderisch sein, um patentfähig zu sein. Wenn dieselbe Idee bereits veröffentlicht ist, ist sie nicht mehr neu.

Eine korrekt zeitgestempelte und zugängliche defensive Veröffentlichung:

  • wird von Patentämtern als Stand der Technik behandelt (z. B. USPTO, EPA, CNIPA, ...)
  • blockiert später eingereichte Patentanmeldungen, die denselben Gegenstand beanspruchen
  • hält einer rechtlichen Prüfung in Nichtigkeits- oder Einspruchsverfahren stand, sofern die Offenbarung ausreichend detailliert, datiert und dauerhaft zugänglich ist

Selbst wenn Ihre Veröffentlichung in der Prüfung nicht sofort zitiert wird, kann sie in Einspruch, Nichtigkeit oder gerichtlichen Verfahren als Beweismittel genutzt werden, um ein Patent eines Wettbewerbers anzugreifen.

Praxisbeispiel

Stellen Sie sich vor, Ihr Team entwickelt ein neues Verfahren zur Verbesserung der Energieeffizienz von Fertigungsanlagen. Sie entscheiden sich aufgrund begrenzter Schutzbreite oder Budget gegen ein Patent, veröffentlichen das Konzept jedoch über eine Plattform wie Proofbox, inklusive einer detaillierten Beschreibung der Erfindung.

Sechs Monate später reicht ein Wettbewerber eine Patentanmeldung für den gleichen Gegenstand ein. Ihre Veröffentlichung, die bereits öffentlich zugänglich und mit einem verifizierbaren Zeitstempel versehen ist, nimmt dieser Anmeldung die Neuheit, entweder schon im Prüfungsverfahren oder später bei einem Einspruchs- oder Nichtigkeitsverfahren. Sie haben Ihre Freedom to Operate bewahrt, ohne selbst je ein Patent angemeldet zu haben.

Was macht eine defensive Veröffentlichung rechtlich wirksam?

Damit eine defensive Veröffentlichung als Stand der Technik anerkannt wird, muss sie zentrale Kriterien erfüllen:

  • Technisch ausreichend dokumentiert: Eine fachkundige Person muss die Erfindung verstehen und nacharbeiten können
  • Öffentlich zugänglich: Über Internetsuche auffindbar oder in einem dauerhaften Archiv verfügbar
  • Eindeutig datiert: Mit einem verlässlichen und rechtlich anerkannten Zeitstempel versehen (z. B. eIDAS-konform)
  • Dauerhaft: Der Inhalt muss langfristig verfügbar sein und darf nicht rückwirkend veränderbar sein
  • Nachweisbare Auffindbarkeit: Bei rein online verfügbaren Offenbarungen muss verifizierbar und kontinuierlich belegbar sein, dass Suchbarkeit und Zugänglichkeit über die Zeit dokumentiert und nachvollziehbar sind

Hinweis: Die Veröffentlichung über spezialisierte Plattformen wie Proofbox stellt sicher, dass all diese Elemente sauber und automatisiert erfüllt werden.

Vorteile gegenüber Geheimhaltung

Sie fragen sich vielleicht: Warum die Idee nicht einfach geheim halten?

Geheimhaltung wirkt zunächst sicher, insbesondere wenn eine Erfindung noch nicht marktreif ist oder nicht patentierbar erscheint. Sie birgt jedoch erhebliche rechtliche und strategische Risiken.

Wenn ein Wettbewerber unabhängig dieselbe Lösung entwickelt und patentiert, kann er exklusive Rechte erlangen. Selbst wenn Ihr Team die Idee früher hatte, verhindert interne Vorarbeit nicht automatisch, dass das Patent durchgesetzt wird.

Es gibt zwar grundsätzlich ein Instrument, das als Vorbenutzungsrecht (auch "internal prior user rights") bezeichnet wird und einem Unternehmen erlauben kann, eine früher entwickelte Erfindung trotz eines späteren Patents eines Dritten weiter zu nutzen. Die Berufung darauf ist jedoch extrem schwierig, riskant und teuer. Gerichte stellen strenge Anforderungen, unter anderem:

  • Nachweis einer fortgesetzten Benutzung oder ernsthafter Vorbereitungen für den Markteintritt
  • Dokumentation, dass das Management Produktions- oder Umsetzungspläne aktiv initiiert hat
  • Beweismittel müssen vor dem Anmeldetag des Wettbewerbers liegen und klar datiert sowie verifizierbar sein
  • Die Benutzung muss gutgläubig und innerhalb des Unternehmens erfolgt sein

Wegen dieser strengen Standards ist eine erfolgreiche Durchsetzung des Vorbenutzungsrechts vor Gericht selten und rechtlich aufwendig. Selbst wenn Sie die Idee früher hatten, könnten Sie gezwungen sein, die Nutzung einzustellen oder Schadenersatz zu leisten, wenn ein Dritter das Patent hält.

Eine defensive Veröffentlichung ist dagegen einfach, kostengünstig und rechtlich klar, sofern sie richtig durchgeführt wird. Sie schafft sofort Stand der Technik und verhindert, dass andere Patentansprüche auf denselben Gegenstand erlangen, unabhängig von deren Absichten. Im Ergebnis schließt sie die Tür zu Exklusivität für alle, bewahrt aber Ihre Freedom to Operate, ohne die rechtliche Unsicherheit der Geheimhaltung.

Timing ist alles

Um die Patentanmeldung eines Wettbewerbers zu blockieren, muss Ihre Offenbarung vor dessen Anmeldetag rechtssicher veröffentlicht sein. Deshalb ist es entscheidend:

  • den Entwicklungsstand Ihrer Idee zu beobachten
  • die Wahrscheinlichkeit paralleler Entwicklung zu bewerten
  • so früh wie rechtlich und technisch sinnvoll zu veröffentlichen

Plattformen für defensive Veröffentlichungen ermöglichen eine schnelle und zuverlässige Offenbarung, mit nachvollziehbaren Zeitstempeln und einer SEO-freundlichen Struktur, die die Auffindbarkeit verbessert.

Fazit: Veröffentlichen, um zu verhindern und zu bewahren, nicht um zu schützen

Defensive Veröffentlichung bedeutet nicht, eine Idee zu besitzen, sondern sicherzustellen, dass niemand sonst sie exklusiv besitzen kann. In wettbewerbsintensiven Branchen, in denen Ideen schnell entstehen und Budgets knapp sind, bietet diese Strategie:

  • Eine kostengünstige Barriere gegen aggressives Patentieren
  • Rechtssicherheit für interne Nutzung oder Kooperationen
  • Freiheit, weiterzuentwickeln und zu iterieren, ohne Verlustrisiko

Indem Sie zum richtigen Zeitpunkt Stand der Technik schaffen, wird Ihre Offenbarung zu einem Schutzschild gegen unerwünschte Patente, und Sie behalten Kontrolle über Ihre Innovationsroadmap.

Sind Sie bereit Ihre Idee für jeden Dritten unpatentierbar zu machen?

Nutzen Sie Proofbox zur Veröffentlichung Ihrer Erfindung und bewahren Sie durch einen eIDAS-konformen und qualifizierten Zeitstempel mit Long-Term Validation (LTV), globaler Auffindbarkeit und einer verifizierbaren, kontinuierlichen Zugänglichkeitsdokumentation Ihre Handlungsfreiheit. Bewahren Sie Ihre Freedom to Operate ohne die Kosten einer Patentanmeldung.

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