Defensive Veröffentlichung oder Patent? So treffen Sie die richtige Wahl
Aktualisiert am 23.06.2025

Aktualisiert am 23.06.2025

Innovatorinnen und Innovatoren stehen oft vor einer entscheidenden Frage: Soll ich eine Patentanmeldung einreichen oder defensiv veröffentlichen? Patente sind weit bekannt und vermitteln exklusive Rechte, wohingegen defensive Veröffentlichungen weniger bekannt sind, aber ein sehr wirksames Instrument darstellen, um technische Ideen zu bewahren und zu verhindern, dass andere sie als eigene beanspruchen.
Die genannte Frage stellt sich insbesondere dann, wenn der Wert einer Erfindung oder der voraussichtlich erteilbare Schutzbereich begrenzt erscheint, etwa wegen umfassendem Stande der Technik oder weil die Erfindung nur ein unbedeutender Aspekt eines größeren Systems ist. In solchen Fällen kann der hohe Aufwand, ein Patent zu erlangen und anschließend zu erhalten, wirtschaftlich nicht sinnvoll sein.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wann eine defensive Veröffentlichung die klügere Option sein kann, wie sie funktioniert und worauf Sie achten sollten, bevor Sie Ihre Offenlegungsstrategie wählen.
Eine defensive Veröffentlichung ist eine formale, öffentliche Offenbarung einer technischen Erfindung oder Idee. Nach der Veröffentlichung wird sie zum Stand der Technik und kann zitiert werden, um spätere Patentanmeldungen auf denselben Gegenstand zu blockieren.
In den USA wird das Konzept manchmal umgangssprachlich als "poor man's patent" bezeichnet, also als Möglichkeit, Priorität zu dokumentieren, ohne die Kosten und Komplexität eines Patentverfahrens. Sie schafft zwar keine Ausschließlichkeitsrechte, stellt aber sicher, dass die offengelegte Erfindung nicht von anderen patentiert werden kann.
Wichtige Aspekte einer defensiven Veröffentlichung:
| Aspekt | Defensive Veröffentlichung | Patentanmeldung |
|---|---|---|
| Zweck | Passiver Schutz: Blockiert die Patentierbarkeit durch Dritte durch Schaffung von Stand der Technik | Aktiver Schutz: Gewährt kommerzielle und nationale Ausschließungsrechte |
| Kosten | Einige hundert Euro je nach Plattform | Mehrere Kostenpositionen pro Land: Amtsgebühren, Anwaltskosten, Rechtskosten bis zur Erteilung und Jahresgebühren |
| Rechtswirkung | Kein durchsetzbares Recht; dient nur zur Blockierung der Patentierbarkeit durch Dritte | Exklusive und regionale Ausschließungsrechte; Dritten kann das Anbieten, Verkaufen oder Herstellen untersagt werden |
| Durchsetzbarkeit | Nicht durchsetzbar mangels Ausschließungsrechten | Gerichtlich durchsetzbar; Unterlassungsklagen und Schadensersatzansprüche sind möglich |
| Veröffentlichung | Sofort; vermeidet Zwischenliteraturlücken | Typischerweise 18 Monate nach dem Anmeldetag veröffentlicht |
| Wirksamkeit als Stand der Technik | Sofort | Erst bei Veröffentlichung |
| Internationale Reichweite | Weltweit | Schutz nur in ausgewählten nationalen/regionalen Jurisdiktionen pro erteiltem Patent |
| Vertraulichkeit | Nicht möglich; eingeschränkter Zugang (z.B. Paywall) ist erlaubt | Möglich durch Nichtveröffentlichung |
| Strategische Nutzung | Bewahrung von Innovationen und Erfindungen für zukünftige Verwertung; Blockierung der Patentierbarkeit durch Dritte | Schutz von Erfindungen mit klarem Schutzumfang |
| Eignung | Schnell, kostengünstig und ideal als Ergänzung oder Ersatz | Kostenintensiv pro Jurisdiktion und zeitaufwändig |
| Dienstleister | Online-Plattformen wie Proofbox, IP.com oder Questel | Patentanwaltskanzleien und Patentämter |
Eine defensive Veröffentlichung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn:
Manche Innovatorinnen und Innovatoren erwägen stattdessen, die Erfindung geheim zu halten. Auch wenn das zunächst sicher erscheint, birgt es erhebliche Risiken: Entwickelt ein Wettbewerber unabhängig dieselbe Lösung und reicht eine Patentanmeldung ein, können Sie Ihre Handlungsfreiheit bzw. Freedom to Operate verlieren – selbst wenn Sie die Idee zuerst hatten. Defensive Veröffentlichung stellt sicher, dass Ihre Offenbarung zu rechtlich durchsetzbarem Stand der Technik wird und eliminiert das Risiko, dass andere exklusive Rechte an Ihrer Erfindung erlangen.
Wichtig ist das Verständnis, dass eine defensive Veröffentlichung und die Veröffentlichung einer Patentanmeldung in Bezug auf die Freedom to Operate (FTO) dieselbe Wirkung entfalten:
Keine der beiden Varianten verleiht das Recht, andere von der Nutzung der Erfindung auszuschließen – beide stellen jedoch sicher, dass die Freedom to Operate erhalten bleibt, sofern keine älteren Rechte entgegenstehen.
Das bedeutet: Wenn Ihr Ziel darin besteht, Ihr Recht zur weiteren Nutzung Ihrer Erfindung zu bewahren, erfüllen sowohl die bloße Veröffentlichung einer Patentanmeldung als auch eine defensive Veröffentlichung diesen Zweck. Der ressourchentechnische Unterschied liegt in Kosten und Aufwand.
Nicht jede Erfindung erfordert ein vollständig ausgearbeitetes technisches Dokument für eine defensive Veröffentlichung. Für kleinere Innovationen, technische Anpassungen oder inkrementelle Verbesserungen ist häufig eine einfache Offenbarung ausreichend – etwa ein kurzer Erfindungsbericht mit einer Skizze und einer kompakten, stichpunktartigen Funktionsbeschreibung –, um Stand der Technik zu begründen.
Entscheidend ist, dass die Kernidee klar offengelegt und für eine fachkundige Person technisch nachvollziehbar ist. Der Detaillierungsgrad sollte der Komplexität und Relevanz der Erfindung entsprechen.
Um rechtliche Wirksamkeit sicherzustellen, sollte Ihre Offenbarung dennoch die folgenden Grundkriterien erfüllen:
Tipp: Nutzen Sie vertrauenswürdige Plattformen wie Proofbox, um diese Anforderungen zu automatisiert zu erfüllen. Proofbox stellt eine korrekte Offenbarung, rechtssichere Zeitstempelung, Suchmaschinenindexierbarkeit und ständige Auffindbarkeit sicher – unabhängig davon, ob es sich um eine detaillierte technische Ausarbeitung oder eine einfache, skizzenbasierte Einreichung handelt.
In manchen Fällen ist eine kombinierte Strategie besonders effektiv. Zum Beispiel:
Dieser Ansatz hilft, Kosten, Schutzumfang und Geschwindigkeit innerhalb Ihrer Innovationsstrategie ausgewogen zu kombinieren.
Defensive Veröffentlichung ist kein Notbehelf, sondern eine strategische Entscheidung. Sie ermöglicht es, technische Ideen zu bewahren, öffentlich zugänglich zu machen und zu verhindern, dass andere denselben Inhalt patentieren. Für viele Erfinderinnen, Teams und Unternehmen ist sie der effizienteste Weg, die Handlungsfreiheit bzw. Freedom to Operate zu bewahren – insbesondere dann, wenn Patente nicht zentral für die Geschäftsziele sind.
Bevor Sie sich entscheiden, wägen Sie Ihre Ziele, Ihr Budget und die Rolle der Erfindung in Ihrem Unternehmen sorgfältig ab. Wenn Exklusivität bzw. ein Ausschließungsrecht nicht erforderlich ist und eine schnelle, kosteneffiziente Offenbarung mehr Wert schafft, ist eine defensive Veröffentlichung häufig der bessere Weg.
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